Arbeitskreis Interkulturelle Philosophie: Farben, Kulturen und Welt (begleitend zur Vorlesung von Prof. Mall)


Einrichtung:
Department für Philosophie, Logik und Wissenschaftstheorie, Religionswissenschaft und Wirtschaftstheorie
Vorlesungsverzeichnis:
Sommersemester 2005
Dozent(en):
Christoph Durt
Termin(e): Mo 14 -16 Uhr ,
Ludwigstr. 31 , Raum 208 2.OG

Kommentar:
Am Beispiel der Farben soll die Frage behandelt werden, inwieweit Kulturen die Wirklichkeit prägen und inwieweit sie über die subjektiven, sprachlichen und kulturellen ›Grenzen‹ hinaus auf eine gemeinsame Welt verweisen. Farben wurden von zahlreichen Philosophen behandelt, die ihnen verschiedene Realitäten zusprachen und sie beispielsweise auf der einen oder der anderen Seite der Dichotomie zwischen primären und sekundären Qualitäten verordneten. Die experimentelle Psychologie legt nahe, dass subjektive Farbwahrnehmungen sehr verschieden sind und die Physik erklärt eine objektive Welt, in der Farben überflüssig sind. Sind Farben daher nur subjektiv? Die Alltagssprache hingegen ermöglicht eine weitgehend unproblematische Verständigung über Farben. Sind ihre Farbbegriffe daher unkorrigierbar? Viele Kulturen haben Farbbegriffe, die sich nicht in die Sprache anderer Kulturen übersetzen lassen. Ist ihre Welt darum eine andere? Es soll ein philosophischer Begriff von Farbe herausgearbeitet werden, der offen für das ist, was uns unter anderem Physik, Kunst und fremde Kulturen zu Farben beibringen können.

Für diese Unternehmung werden wir einen Begriff von Kultur nutzbar machen, der sich erst in der Philosophie jüngster Zeit und im gegenwärtigen Kontext von Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft entwickelt. Demnach manifestieren sich Kulturen in alltäglichen Handlungsweisen und sind konstitutiv für Bedeutung – einschließlich normativer Anteile. Über diese von verschiedenen Philosophen unter Konzeptionen wie »Lebenswelt« oder »Lebensform« behandelten Aspekte hinaus sind Kulturen nicht nur Ausgangspunkt theoretischer Betätigung. Umgekehrt schlagen sich in ihnen auch Theorien nieder. Zudem ist die meist mit dem klassischen Kulturbegriff assoziierte Bedeutung zu berücksichtigen, nach welcher Selbstreflexion eine wesentliche Leistung von Kultur ist.
Die Integration dieser Bedeutungsdimensionen ermöglicht es, Kultur als Art des menschlichen Umgangs mit Natur nicht als der Natur entgegen gesetzt zu denken, sondern als Bedingung des Weltbezugs menschlichen Denkens und Handelns. Dabei braucht allerdings nicht auf Allgemeingültigkeit oder Notwendigkeit rekurriert zu werden. Weil Kulturen niemals abgeschlossene Systeme bilden, geht die Interkulturelle Philosophie von den vorhandenen Überlappungen zwischen ihnen aus. Sie bietet den Rahmen, in dem die verschiedenen Weisen des Umgangs mit der Welt in einen sinnvollen Bezug gebracht werden können. Damit können interkulturelle Betrachtungen nicht nur zu einem Verstehen fremder Sichtweisen beitragen, sondern auch das eigene Verstehen der Welt und ihrer Farben erweitern.

Literatur: Einen guten (aber nicht mühelos zu erarbeitenden) Zugang bietet Stroud, Barry (2000) The Quest for Reality. Die vollständige Literaturliste wird in der ersten Sitzung bestimmt und steht dann unter www.durt.info zum Abruf bereit. Vorschläge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer können nach Absprache berücksichtigt werden, wobei möglichst schon vor der ersten Sitzung über Email (info@durt.info) Kontakt aufgenommen werden sollte.