Begleitender Arbeitskreis zur Vorlesung Philosphie(-n) und Religion(-en) im Vergleich der Kulturen. Einführung in eine interkulturelle Philosophie und Religion 
Christoph Durt Mo 14 -16 Uhr , Hauptgebäude , Raum 348 2.OG 
Es lässt sich immer schwerer ignorieren: Die eigenen kulturellen, religiösen und philosophischen Selbstverständlichkeiten verstehen sich weder für alle gleich, noch von selbst. Sie sind nicht selbstverständlich. In der »de facto hermeneutischen Situation« (Mall) muss sich jedes Interpretationsmuster auch selbst interpretieren lassen. Angesichts dieser Entwicklung häufen sich die Lippenbekenntnisse zur interkulturellen Verständigung. Tatsächlich jedoch verbirgt sich dahinter allzu oft der Glaube an die absolute Geltung des eigenen Weltbildes. Dieser Anspruch sollte relativiert werden. Dabei lohnt es sich, kurz innezuhalten, um zu vermeiden, einfach ein neues Dogma an die Stelle des alten zu setzten. Ein eben solches ist nämlich auch die relativistische Behauptung, es gebe nur Konstruktionen oder Konventionen. Und selbst wenn dies in manchen Fällen rein negativ und ganz undogmatisch gemeint sein sollte, wird doch die gleiche voreilige Voraussetzung wie bei den absolutistischen Gegenspielern gemacht: Dass die Philosophie nur in gemeinsamen Grundsätzen bestehen und gelten könne.
Komplexen Realitäten wird man aber nicht mit Reduktionismen gerecht. Deshalb muss eine echte Selbstbestimmung von Philosophie, Religion und Kultur jenseits von Absolutheitsanspruch und relativistischer Gleichgültigkeit vorgenommen werden. Genau dafür reflektiert die »Interkulturelle Philosophie« die Bedingungen eines Diskurses, bei dem der Konsens nicht vorausgesetzt ist. Die Einheit findet sie nicht in der Einheitlichkeit, sondern in Überlappungen, wie sie Wittgenstein mit seinen »Familienähnlichkeiten« beschrieben hat. So kann sich die »philosophia perennis« (Jaspers, unter anderen) gerade in den Unterschieden entwickeln. Wichtiger als die Übereinstimmungen sind die Einstellungen, wie sie beispielsweise Husserl untersucht. Dabei werden methodische Aspekte thematisiert, ohne eine vom Inhalt abstrahierende Methode zu entwerfen, wie sie beispielsweise in der westlichen Formallogik perfektioniert wird. Erstrebt wird ebenso wenig der »disengaged vantage point« (Stroud) oder gar die Enthaltung von jeglicher Sichtweise. Die Alternative zur objektiven Bestimmbarkeit ist nicht Perspektivenlosigkeit, sondern die perspektivische Auseinandersetzung »freier Geister« (Nietzsche). 
Interkulturelles Philosophieren kann also nicht rein rezeptiv erlernt werden. Daher soll es nicht nur in der gleichnamigen Vorlesung dargestellt, sondern zusätzlich begleitend in diesem Arbeitskreis erarbeitet werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie genau verstehende Verständigung in der Differenz möglich ist. Zwei Semester lang werden wir ausgewählte Texte lesen. Dabei helfen einerseits die Texte dabei, Philosophie und Religion aus interkultureller Sicht zu verstehen. Andererseits hilft die interkulturelle philosophische Perspektive, im Sinne Gadamers für die Texte eine sich in ihrer Geschichte bewahrende Aktualität herauszubilden. Keiner Überlegung, einschließlich aller oben erwähnten, kommt dabei eine absolute Stellung zu. Gerade indem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die zugrunde liegenden Gedanken aus vielen Perspektiven in Frage stellen, wirken sie an ihrer Ausgestaltung mit. Differenz wird so als Chance begriffen, unsere Rolle in der Welt zu bestimmen, ohne uns von eigenen oder fremden »Gewissheiten« bevormunden zu lassen.
Literatur: Ist bereits im Handapparat in der philosophischen Bibliothek im 2.OG des Hauptgebäudes verfügbar. 
Beginn: 28.10.2002 
Semesterwochenstunden: 2

 

Philosophie(-n) und Religion(-en) im Vergleich der Kulturen. Einführung in eine interkulturelle Philosophie und Religion 
Prof. Dr. phil. Ram Adhar Mall Mo 16 -18 Uhr , Hauptgebäude , Raum Hgb. 214 
Diese zweiteilige Vorlesung erstreckt sich vom WS. 2002/2003 bis SS. 2003. In Teil I geht es um eine allgemeinverbindliche Konzeption der Philosophie aus interkultureller philosophischer Perspektive. Eine interkulturelle philosophische Reflexion macht deutlich, dass die Universalität der Philosophie ihre kulturspezifischen Ausprägungen mit grundsätzlichen Ähnlichkeiten und erhellenden Differenzen hat. Die Vorlesung fängt an mit einer kurzen Beschreibung der de facto hermeneutischen Situation in dem erneuten Angesprochensein der Kulturen, Philosophien und Religionen heute.
Nach einer begrifflichen Klärung des Terminus „interkulturelle Philosophie“ und Einführung einer interkulturell philosophischen analogischen Hermeneutik werden die unterschiedlichen philosophischen Traditionen –die chinesische, indische, europäische, auch afrikanische und lateinamerikanische – kurz dargestellt. Die interkulturelle These von einer „orthaften Ortlosigkeit“ der Philosophie ermöglicht so ein differenziertes, aber dennoch gleichrangiges Behandeln der Erscheinungsformen der Philosophie. Zu beachten ist, dass die interkulturelle Philosophie selbst nicht eine weitere Disziplin der Philosophie darstellt, sondern der Name für eine interkulturelle philosophische Orientierung ist mit der Einsicht, dass die eine „philosophia perennis“ niemandes Besitz allein ist und dass sie polyphon und polyzentrisch ist.
Philosophie im Vergleich der Kulturen macht ferner deutlich, dass es ein Primat der Fragen vor den Antworten gibt, und dass Philosophen unterschiedlicher Traditionen – sowohl intra- als auch inter- kulturell – miteinander mehr durch ihre Fragestellungen als durch ihre Antworten verbunden sind.
Philosophie im Vergleich der Kulturen zielt auf die Konzeption einer neuen Historiographie der Philosophie, und dies führt zu einem Aufgabenkatalog der interkulturellen Philosophie in Lehre und Forschung, in Theorie und Praxis.
Literatur: Mall, R. A./Hülsmann, H.: Die drei Geburtsorte der Philosophie. China, Indien, Europa, Bonn 1989; Mall, R. A.: Philosophie im Vergleich der Kulturen. Interkulturelle Philosophie. Eine neue Orientierung, Darmstadt 1996; Wimmer, F.M.: Vorlesungen zur Theorie und Methode der Philosophie im Vergleich der Kulturen,Bremer Philosophica, Uni. Bremen 1997; Kimmerle, H.: Die Dimension des Interkulturellen, Amsterdam 1994; Holenstein, E. Menschliche Gleichartigkeit und inter- wie intrakulturelle Mannigfaltigkeit, Zürich 1992; Forne-Betancourt, R.: Lateinamerikanische Philosophie zwischen Inkulturation und Interkulturalität, Frankfurt/M. 1997; Wiredu, K.:Philosophy and an African Culture, London 1980; Smart, N.: World Philosophie, New York 1999. 
Beginn: 21.10.2002 
Semesterwochenstunden: 2